Höre die Töne im Schatten

 



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Wir sinken. Ich merke es an dem steigendem Druck im Ohr. Unter mir gleitet Frankfurt vorbei, wenige Augenblicke später setzen wir auf der Landebahn auf. Heimatlicher Boden unter meinen Füßen. Am Gepäckband schnappe ich meinen Koffer und mache mich Richtung Zoll. Dahinter die Halle, in der Verwandte, Freunde und Bekannte auf Reisende warten.

Da ist das ältere Ehepaar, das einen erwachsenen jungen Mann in die Arme schließt. Ein junges Pärchen versinkt in einer Umarmung und einem leidenschaftlichem Kuss. Freunde begrüßen sich, ein lautes „Hallo?“ und „Wie gehts?“ Freudige Gesichter. Manche sehen sich wohl erst nach Wochen wieder. Oder nach ein paar Tagen. Es ist egal. Alte Streitereien sind vergessen und darum geht es auch nicht mehr. Der Strom aus Menschen erfasst mich und schleift mich mit. Ich habe Angst. Ich weiß, dort ist niemand, der auf mich wartet, der mir zuwinkt, wenn ich durch diese Schleuse gehe. Ich stehe in der Menge. Um mich herum ist wie eine Bannmeile. Kommt mir nicht zu nah. Ich will doch auch nur Nähe spüren. Erwartet werden. Ich will doch auch nur ein wenig Menschlichkeit.

Eine Träne unterdrückend gehe ich zum Bahnsteig.


13.7.08 18:28


Brief an meine Mutter

Liebe Ma,

es ist lange her, dass ich dir geschrieben habe. Es ist auch lange her, dass ich an dich gedacht habe. Mein letzter Brief war im Dezember vor zwei Jahren und ich konnte gut die gedanken an dich verdrängen. Doch es ist mal wieder so weit - der Schmerz überfällt mich, überrennt mich und ich kann nichts tun. Ausser dir zu schrieben. Nicht schneiden, schreiben, dem Schmerz die Worte geben. Wie ich es seit Jahren mache.
Ma, du hast mir meine Jugend geraubt und als ich dann endlich eine haben durfte, bist du gestorben und ich war von heute auf morgen erwachsen. Musste es sein. Mich hat keiner gefragt, wer auch? Ein trinkender Vater? Ein autistischer Bruder?
Die verlorene Zeit kann mir niemand zurück geben, das unbeschwerte Teenagerdasein (mein Schöpfungsgegebenes Recht) auch nicht. Ich bin jetzt 27. Habe einen Job. Ich habe Freunde, Hobbies. Ich wohne in einer passablen Wohnung. Aber eines habe ich nicht: unbeschwertes Lachen, Erinnerungen an das Erwachsen werden. Da ist nicht viel, ausser deinen Schlägen, deinen Schreien und deinen Vorwürfen. Da ist mein Vater, der weint, weil du im Sterben liegst. Da ist mein Vater, der deswegen trinkt. Den ich stütze, so gut ich kann. Da ist Trauer, die ich runter schlucke, weil, auch wenn du mich schlägst, bist du meine Mutter und ich liebe dich aus diesem einen Grund. Mehr Gründe brauchen Kinder auch nicht, um ihre Eltenr zu lieben. Ich bin nicht mehr traurig, dass du tot bist, ich bin nur darüber traurig, dass deine krankheit nicht früher behandelt wurde. Dann wärst du vermutlich noch da und würdest mich nicht mehr schlagen. Ich bin traurig über die verlorene Zeit. Meine Zeit. Irgendwann hole ich sie mir zurück...

Dein Sohn.

27.5.08 11:51


Der Junge im rollstuhl

Ich war heute im Krankenhaus. Notaufnahme. Mir geht es gut, bitte keine Sorge.

Ich musste natürlich viel warten und nutzte die Zeit, um meine Umgebung zu beobachten. Ältere Menschen, ein junges Paar, Mütter mit ihren fast erwachsenen Kindern. Überall ein Heidenlärm. An der einen Stelle an der Wand, steht ein Rollstuhl. Darin ein Junge, vielleicht 7 oder 8 jahre alt. er starrt nach vorne. Seine Gliedmaßen sind unterentwickelt, er wippt leicht mit dem Kopf. Warum er hier ist, ist nicht zu sehen. Hin und wieder läuft eine Schwester vorbei, sieht nach ihm. Einmal ein Arzt. Der Junge scheint nicht wahrzunehmen, zuckt nicht bei den Spritzen, die sie ihm geben.
Es ist keiner um ihn rum. Ich schaue mit den Jungen an. Sein Blick fällt auf meinen und er wippt nicht mehr. Er schaut mich an. Lächelt. Seine Augen sind groß und braun, sanft wie Kuhaugen. Für einen kurzen Augenblick spüre ich den Frieden, der in seinem Blick ruht und ich muss auch lächeln. Lächle den Jungen an.

Seine Eltern und ein Arzt kommen. Die Mutter weint. Sie rollen ihn raus und ich sehe, wie der Rollstuhl im Hospiz verschwindet.

Junge, ich wünsche dir alles Gute für deine letzte Reise und dass du den Frieden behälst, der in deinen Augen ruht.

10.6.08 21:15


In der bahn fahren auch die Gedanken...

Mein Herz macht tausend Sprünge
denke ich an dich und unterdrücke eine Träne,
weil ich dich nicht haben kann.

Mein Herz macht tausend Sprünge
spreche ich mit dir über Leben und Gedanken,
die du verstehst wie kaum eine.

Mein Herz macht tausend Sprünge
wenn es auf den Boden trifft und zerbricht
in kleine bunte Stückelein.

Mein Herz machte tausend Sprünge
und versuchte doch nur einen Purzelbaum.

24.6.08 00:37


Gouvernmental Advisory! Political Content!

So, es ist so weit. Die Bayern haben ihre Onlinedurchsuchung. Ist ja nicht schlimm, so ein bisschen durchsuchen. OH, das ganze ist auch noch heimlich. Naja, was hab ich zu verbergen? Nichts. Ja, ich bin unbescholten. Ich habe keine Bombenbaupläne auf meinem Rechner, keine Kinderpornographie und auch keine Welteroberungspläne. Ich besitze keine illegale Musik oder Filme. Aber sie durchsuchen mich (wenn ich in Bayern wäre). Ich KÖNNTE kja sowas haben. ich KÖNNTE ja eventuell den Herren Bundespräsidenten erschiessen wollen. Oder eine Ariane Rakete in Washington einschalgen lassen. Ich könnte so vieles... aber ich tue es nicht. Mein Rechnerinhalt geht die eifnach nichts an. GAR NICHTS. Das ist wie ein Tagebuch. Das geht auch niemanden was an und heimlich darf das auch die Polizei nicht lesen. Dafür braucht es einen Durchsuchugnsbeschluss. Naja, was reg ich mich noch über diese ollen Kamellen auf.

Viel spannender: Präventive Rasterfahndung. Rasterfahndung ist schon schlimm genug und da sind in den 70igern die Leute auf die Strasse gegangen, um dagegn zu demonstrieren. Aber präventiv? Wie darf ich mir das vorstellen? Erst die, die anders aussehen, dann die, die anders sprechen und dann die, die anders denken? Irgdnwann dann die der eigenen Art...
ja, macht eure präventive Rasterfahndung, los, säht mistrauen, schürt Angst. Denn mehr macht so etwas nicht, es macht uns nicht sicher, nur paranoider. Wie das Raster aussieht? Das wissen diejenigen, die uns regieren und beschützen. Leider nicht vor Ihnen.

Aber da is noch mehr, das mich sorgt. heute in der FAZ... "Strafe für geistige Sterbehilfe?" Was erstmal nur nah dem delikt der Sterbehilfe klingt wird nach genaurem Lesen des Artikels zu viel mehr. Um es kurz zusammen zu fassen: Wer an einer Straftat geistig beteiligt ist (weil er z.B. dazu motiviert hat) ist genauso straffällig wie der, der sie aussführt. Um es überspitzt darzustellen: Ein krebskranker Freund sagt: "Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, die krankheit tötet mich eh, ich will das aber lieber selbst erledigen." und ich sage "Gute Idee. Mach das doch mit X".
Schwups, bin ich straffällig geworden.
wer kennt nicht die Gespräche, morgens um 2, nach ner Flasche Wein, die sich um Revolution, gesellschaftliche Umbrüche und ähnliches drehen. wenn dann einer der Gesprächspartner das macht, ist der Rest mit dran.

Das ist... ja, was ist das eigentlich? Auf mich wirkt das wie eine Gedankenpolizei, die Gesinnungsverbrechen aufklärt.
Erst die, die anders aussehen
Dann die, die anders sprechen
Dann die, die anders denken.

4.7.08 11:58


Ich fahre...

... gleich nach Leipzig.

 

Die Kamera ist eingepackt... Bis später. Zur Überbrückung:

Ich lauf gegen die Wand

Ich lauf gegen die Wand
wann immer ich kann
einfach nur um zu sehen
wann mein Schädel platzt.

Ich lauf gegen die Wand
wann immer ich kann
einfach nur um sehen
wann ich vergessen kann.

Ich lauf gegen die Wand
wann immer ich kann
einfach nur um zu sehen
ob ich Leben kann.

 

9.5.08 08:08


Die Unabhängigkeit des Cyberspace

Nach mehr als 10 Jahren hat diese Erklärung NICHTS ans Aktualität eingebüsst. Lest sie Euch durch, denkt darüber nach - und vor allem glaubt an den freien Gesit, die freien Gedanken.


Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace von John Perry Barlow:

Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch
und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des
Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer
vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht
willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr.

Wir besitzen keine gewählte Regierung, und wir werden wohl auch nie
eine bekommen - und so wende ich mich mit keiner größeren Autorität
an Euch als der, mit der die Freiheit selber spricht. Ich erkläre den
globalen sozialen Raum, den wir errichten, als gänzlich unabhängig
von der Tyrannei, die Ihr über uns auszuüben anstrebt. Ihr habt hier
kein moralisches Recht zu regieren noch besitzt Ihr Methoden, es zu
erzwingen, die wir zu befürchten hätten.

Regierungen leiten Ihre gerechte Macht von der Zustimmung der
Regierten ab. Unsere habt Ihr nicht erbeten, geschweige denn
erhalten. Wir haben Euch nicht eingeladen. Ihr kennt weder uns noch
unsere Welt. Der Cyberspace liegt nicht innerhalb Eurer
Hoheitsgebiete. Glaubt nicht, Ihr könntet ihn gestalten, als wäre er
ein öffentliches Projekt. Ihr könnt es nicht. Der Cyberspace ist ein
natürliches Gebilde und wächst durch unsere kollektiven Handlungen.

Ihr habt Euch nicht an unseren großartigen und verbindenden
Auseinandersetzungen beteiligt, und Ihr habt auch nicht den Reichtum
unserer Marktplätze hervorgebracht. Ihr kennt weder unsere Kultur
noch unsere Ethik oder die ungeschriebenen Regeln, die unsere
Gesellschaft besser ordnen als dies irgendeine Eurer Bestimmungen
vermöchte.

Ihr sprecht von Problemen, die wir haben, aber die nur Ihr lösen
könnt. Das dient Eurer Invasion in unser Reich als Legitimation.
Viele dieser Probleme existieren gar nicht. Ob es sich aber um echte
oder um nur scheinbare Konflikte handelt - wir werden sie
lokalisieren und mit unseren Mitteln angehen. Wir schreiben unseren
eigenen Gesellschaftsvertrag. Unsere Regierungsweise wird sich in
Übereinstimmung mit den Bedingungen unserer Welt entwickeln, nicht
Eurer. Unsere Welt ist anders.

Der Cyberspace besteht aus Beziehungen, Transaktionen und dem Denken
selbst, positioniert wie eine stehende Welle im Netz der
Kommunikation. Unsere Welt ist überall und nirgends, und sie ist
nicht dort, wo Körper leben.

Wir erschaffen eine Welt, die alle betreten können ohne Bevorzugung
oder Vorurteil bezüglich Rasse, Wohlstand, militärischer Macht und
Herkunft.

Wir erschaffen eine Welt, in der jeder Einzelnen an jedem Ort seine
oder ihre Überzeugungen ausdrücken darf, wie individuell sie auch
sind, ohne Angst davor, im Schweigen der Konformität aufgehen zu
müssen.

Eure Rechtsvorstellungen von Eigentum, Redefreiheit, Persönlichkeit,
Freizügigkeit und Kontext treffen auf uns nicht zu. Sie alle basieren
auf der Gegenständlichkeit der materiellen Welt. Es gibt im
Cyberspace keine Materie.

Unsere persönlichen Identitäten haben keine Körper, so daß wir im
Gegensatz zu Euch nicht durch physische Gewalt reglementiert werden
können. Wir glauben daran, daß unsere Regierungsweise sich aus der
Ethik, dem aufgeklärten Selbstinteresse und dem Gemeinschaftswohl
eigenständig entwickeln wird. Unsere Identitäten werden
möglicherweise über die Zuständigkeitsbereiche vieler Eurer
Rechtssprechungen verteilt sein. Das einzige Gesetz, das alle unsere
entstehenden Kulturen grundsätzlch anerkennen werden, ist die Goldene
Regel. Wir hoffen, auf dieser Basis in der Lage zu sein, für jeden
einzelnen Fall eine angemessene Lösung zu finden. Auf keinen Fall
werden wir Lösungen akzeptieren, die Ihr uns aufzudrängen versucht.

In den Vereinigten Staaten habt Ihr mit dem "Telecommunications
Reform Act" gerade ein Gesetz geschaffen, das Eure eigene Verfassung
herabwürdigt und die Träume von Jefferson, Washington, Mill, Madison,
Tocqueville und Brandeis beleidigt. Diese Träume müssen nun in uns
wiedergeboren werden.

Ihr erschreckt Euch vor Euren eigenen Kindern, weil sie Eingeborene
einer Welt sind, in der Ihr stets Einwanderer bleiben werdet. Weil
Ihr sie fürchtet, übertragt Ihr auf Eure Bürokratien die elterliche
Verantwortung, die Ihr zu feige seid, selber auszüben. In unserer
Welt sind alle Gefühle und Ausdrucksformen der Humanität Teile einer
umfassenden und weltumspannenden Konversation der Bits. Wir können
die Luft, die uns erstickt, von der nicht trennen, die unsere Flügel
emporhebt.

In China, Deutschland, Frankreich, Rußland, Singapur, Italien und den
USA versucht Ihr, den Virus der Freiheit abzuwehren, indem Ihr
Wachposten an den Grenzen des Cyberspace postiert. Sie werden die
Seuche für eine Weile eindämmen können, aber sie werden ohnmächtig
sein in einer Welt, die schon bald von digitalen Medien umspannt sein
wird.

Eure in steigendem Maße obsolet werdenden Informationsindustrien
möchten sich selbst am Leben erhalten, indem sie - in Amerika und
anderswo - Gesetze vorschlagen, die noch die Rede selbst weltweit als
Besitz definieren. Diese Gesetze würden Ideen als nur ein weiteres
industrielles Produkt erklären, nicht ehrenhafter als Rohmetall. In
unserer Welt darf alles, was der menschliche Geist erschafft,
kostenfrei unendlich reproduziert und distribuiert werden. Die
globale Übermittlung von Gedanken ist nicht länger auf Eure Fabriken
angewiesen.

Die zunehmenden feindlichen und kolonialen Maßnahmen versetzen uns in
die Lage früherer Verteidiger von Freiheit und Selbstbestimmung, die
die Autoritäten ferner und unwissender Mächte zurückweisen mußten.
Wir müssen unser virtuelles Selbst Eurer Souveränität gegenüber als
immun erklären, selbst wenn unsere Körper weiterhin Euren Regeln
unterliegen. Wir werden uns über den gesamten Planeten ausbreiten,
auf daß keiner unsere Gedanken mehr einsperren kann.

Wir werden im Cyberspace eine Zivilisation des Geistes erschaffen.
Möge sie humaner und gerechter sein als die Welt, die Eure
Regierungen bislang errichteten.

John Perry Barlow (barlow@eff.org)

Davos, Schweiz

8. Februar 1996

(Deutsch von Stefan Münker)
2.5.08 08:02


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